In über 250 Präsentationen von Prüfungskandidat:innen habe ich eines immer wieder gesehen: Wer zu viel will, verliert. Wer sich dagegen auf das Wesentliche konzentriert, gewinnt Klarheit – und sein Publikum oder die Prüfungsexperten:innen. Genau darum ist das KISS-Prinzip – Keep it Short and Simple – fester Bestandteil meines Unterrichts geworden. Es ist nicht nur ein hilfreiches Werkzeug, sondern ein Denkprinzip, dass man sich als Führungsperson dauerhaft aneignen sollte.
Warum weniger meistens mehr ist
Einmal erlebte ich eine Präsentation, in der ein Kandidat seine tiefen Kenntnisse demonstrieren wollte. Er packte Portfoliomatrix, KPI-Vergleiche und Funnel-Strategien auf eine einzige Folie. Auf meine Frage nach einer konkreten Empfehlung antwortete er unsicher: „Das hängt von der Marktreaktion ab.“ Sein Wissen war umfassend, aber die Kommunikation missglückte.
Mein Rat: Wenn ihr eure zentrale Botschaft nicht klar ausdrücken könnt, versteht euer Publikum oder die Prüfungsexperten:innen sie auch nicht.
Vier Grundsätze für wirkungsvolle Präsentationen
Wer sich an KISS orientiert, hält sich an vier zentrale Prinzipien. Sie bilden das Fundament für alles Weitere – egal, ob es sich um eine Diplomprüfung oder ein Kundenmeeting handelt.
1. Einfach & klar
Man muss nicht „runterbrechen“, sondern verständlich machen. Genau das wird oft verwechselt. Der Inhalt bleibt anspruchsvoll, aber die Sprache darf nicht zusätzlich Hürden bauen. Ich ermutige meine Teilnehmenden, in der Ich-Form zu formulieren, aktiv zu sprechen, keine Konjunktive zu verwenden. Aus „Das könnte in Betracht gezogen werden“ wird dann „Wir empfehlen XY“. Klingt mutiger – ist es auch. Zudem ist die stufengerechte Kommunikation und Zielgruppenansprache von zentraler Bedeutung für eine effektive Präsentation.
2. Gut gegliedert
In der Hektik der Vorbereitung verlieren viele die Struktur. Dabei ist gerade sie der rote Faden, der auch die Nervosität im Griff hält. Die 10-80-10-Regel hat sich in meinem Unterricht bewährt: 10 % Einstieg (mit Wirkung), 80 % Inhalt (fokussiert), 10 % Schluss (mit Klarheit). Wer so auftritt, strahlt Sicherheit aus – und das zählt in jeder Prüfungssituation.
Eine Kandidatin brachte es einmal auf den Punkt: „Ich bin viel ruhiger, wenn ich weiss, dass ich eine Route habe.“ Genau darum üben wir das bei der WSF Wirtschaftsschule Five im Unterricht sowie in mehreren Prüfungssimulationen. Hierzu habe ich ein Roadmap to Five entwickelt. Was sind die wichtigsten Elemente und die Struktur für eine 5.0. Hier einige Elemente, bei denen du den in einer erfolgreichen Präsentation den Unterschied machst:
Kreativer Einstieg
Beginne deine Präsentation nicht mit willkommen, sondern einem Zitat, einem Rollenspiel oder einem anderen kreativen Einstieg. Erwähne zudem das Hauptziel der Präsentation und geben eine Übersicht über die nächsten Minuten.
Roadmap
Achte auf eine gute Struktur und zeige diese in einer Agenda. Die Roadmap Punkte sollen hierbei den roten Faden widerspiegeln und auch aktiv in der Präsentation einbezogen werden. Bsp. mit einem Pfeil die Agenda Punkte durchgehen oder abhacken.
Roter Faden
Beantworte die Fragen, erarbeite praxisorientierte und zielgruppengerechte Lösungen und Ansätze, gehe konzeptionell vor und arbeite mit dynamischen Elementen. Vervollständige beispielsweise während der Präsentation ein Kreisdiagramm um die Marktanteile in % noch anzugeben oder formuliere ein SMART Ziel und lasse die Messgrösse noch weg, damit du diese während der Präsentation vervollständigen kannst. Arbeite mit Grafiken und denke immer an die KISS-Formel. Achte auch darauf, dass du verschiedene Medien einsetzt, damit du eine optimale Dynamik natürlich stehend mit Herzblut hast.
Aufforderung zur Tat
Dein persönliches Fazit ist sehr wichtig und meistens verlangt. Fordere jedoch deine Zielgruppe auch zur Tat auf – Bsp. „Wenn wir die vorgeschlagenen Massnahmen umsetzen und zusammenhalten, werden wir Erfolg haben und unser Umsatzziel erreichen.“ Zudem gehören die nächsten Schritte und nochmalige Erwähnung der wichtigsten Punkte sowie Danksagung zu einem erfüllten Abschluss.
3. Prägnant formulieren
Kürzen ist das bessere Ergänzen. Präsentationen mit überfüllten Folien sind kein Zeichen von Gründlichkeit – sondern von Unklarheit. Ich lasse regelmässig Präsentationen kürzen. Und fast immer passiert dabei dasselbe: Die Inhalte bleiben gleich stark, aber die Aussagekraft steigt.
Ein Teilnehmer hat es mal so formuliert: „Ich habe meine Präsentation um die Hälfte gekürzt – und erst dann verstanden, worum es eigentlich geht.“
4. Anregend erzählen
Spannung erzeugt Aufmerksamkeit. Und Aufmerksamkeit ist die Währung jeder Präsentation. Deshalb arbeite ich mit Einstiegsfragen, echten Fallbeispielen oder manchmal auch einer provokativen These. Ich erinnere mich an einen Kandidaten, der seine Präsentation begann mit: „Wir geben jeden Monat 40’000 Franken für ein Problem aus, das niemand löst.“ Da war der Raum sofort wach.
Viele scheuen sich, mutig einzusteigen. Aber wer es schafft, Interesse zu wecken, bevor er Fachbegriffe auspackt, führt sein Publikum souveräner durch den Rest.
So gelingt die Umsetzung – Schritt für Schritt
Im Unterricht nutzen wir eine einfache Übung: Ich bitte die Klasse, jede Folie einer eigenen Präsentation, um mindestens 30 % zu reduzieren – ohne Inhalte zu verlieren. Anfangs fällt das schwer, aber am Ende sagen fast alle: „Jetzt wirkt es runder – und ich bin sicherer, weil ich weniger vorlesen muss.“
- Relevanz prüfen – Muss das wirklich rein? Was bringt es dem Publikum?
- Kernbotschaft definieren – Ein Satz, der das Ganze auf den Punkt bringt.
- Struktur aufbauen – Einstieg, Hauptteil, Schluss. Jeweils mit klarer Funktion.
- Sprache vereinfachen – Keine Konjunktive, keine Substantivketten, kein Behördenstil.
- Folien entrümpeln – Weniger Text, mehr Raum. Gern auch mal eine leere Ecke.
- Stimme, Gestik, Blick – Nicht vergessen: Die Präsentation ist kein Vorlesen, sondern ein Auftritt.
KISS bedeutet nicht, oberflächlich zu sein. Es heisst, sich auf das zu konzentrieren, was man wirklich sagen will. Und genau das braucht oft mehr Mut als fünf zusätzliche Grafiken. Wir arbeiten in meinem Unterricht auch mit dem OMEGA das OMEGA Zeichen stellt den roten Faden dar und soll die wesentlichen Punkte aufzeigen – wir haben aufgrund des OMEGAS nur beschränkt Platz auf der Linie, somit müssen wir den Fokus auf das wesentliche legen.
Eine kleine Übung zum Abschluss
Nimm die letzte Präsentation, die du vorbereitet hast – egal, ob für eine Prüfung oder für das Geschäft. Versuch mal, jede Folie um 30 % zu kürzen. Nicht einfach streichen, sondern umformulieren. Kürzer, klarer, einfacher.
Ich mache diese Übung regelmässig mit meinen Teilnehmenden. Das Ergebnis: Die Präsentationen werden ruhiger, fokussierter, überzeugender. Und am Ende heisst es dann nicht nur „Bestanden“, sondern oft auch: „Das war richtig gut!“ Halte dich hierbei immer an das Roadmap to 5 und an das OMEGA.
Eine persönliche Einsicht nach über 20 Jahren unterrichten
Mit der Zeit habe ich festgestellt: Gute Präsentationen erkennt man nicht an der Software, sondern an der inneren Klarheit. Wer weiss, worauf er hinauswill, spricht anders, steht anders, wirkt anders. Deshalb ist das KISS-Prinzip für mich keine Methode – sondern Haltung. In Verbindung mit dem Roadmap to 5 und dem OMEGA ist eine gute bis sehr gute Note vorprogrammiert.
Auch nach 20 Jahren im Prüfungsumfeld und der Arbeit mit mehreren Hunderten von Kandidatinnen und Kandidaten bin ich überzeugt: Klarheit ist kein Zufall. Sie ist das Ergebnis bewusster Reduktion. Wer diese Disziplin lernt, wird nicht nur bessere Prüfungen bestehen – sondern auch bessere Entscheidungen treffen. Es gibt für mich 3 Erfolgskomponenten für eine erfolgreiche Präsentation:
- Persönlichkeit
Mit Herzblut und sicherem Stand vor das Publikum oder vor den Prüfungsexperten:innen treten. Zeige was du kannst und bleibe positiv. - KISS – Model
Keep it short and simple – weniger ist mehr, fokussiere dich auf die wesentlichen Punkte. Zeige und formuliere was du meinst - Roadmap to 5 | OMEGA
Bitte wende das „Roadmap to 5“ und das „OMEGA“-Konzept an, wie von mir kurz beschrieben. Weitere Informationen und detaillierte Vorgehensweisen zu diesen Themen oder Konzepten können in unseren Lehrgängen und Kursen erworben werden – informieren dich hier über das Bildungsangebot der WSF-Wirtschaftsschule Five: www.wirtschaftsschule-five.ch
Kurz gesagt: KISS macht den Unterschied – zwischen Überladen und überzeugend, zwischen gut gemeint und gut gemacht. Und ganz ehrlich: Der Schritt zu mehr Wirkung beginnt oft mit dem Mut, weniger zu sagen.
Somit mein Fazit: „werde zum Besten, deiner Selbst“.
Ich freue mich, dich persönlich kennen zu lernen.
Patrick Ochsner
Was sagt eine ehemalige Studentin dazu:
Deborah Gissler, Jahrgangsbeste 2021 Verkaufsfachfrau mit eidg. FA, im Prüfungsteil Präsentation und Fachgespräch (2x Note 6.0).
Der Unterricht bei Patrick war mehr als Theorie – er war ein Trainingsfeld für authentische Wirkung. Durch die gezielte Arbeit an Körpersprache, Dramaturgie und Storytelling habe ich gelernt, Inhalte nicht nur zu präsentieren, sondern zu vermitteln. Die Kombination aus konstruktivem Feedback und praxisnahen Präsentations-Simulationen war entscheidend für meinen Lernerfolg.