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Risikomanagement und Denkfehler: Wie unser Gehirn Entscheidungen beeinflusst 

Risikomanagement gehört zu den wichtigsten Aufgaben in Unternehmen, besonders in einer unsicheren und sich schnell verändernden Welt. Aber: Selbst die besten Systeme können durch menschliche Denkfehler (sogenannte kognitive Verzerrungen) geschwächt werden. Diese beeinflussen, wie Führungskräfte Risiken einschätzen und darauf reagieren.

In diesem Beitrag geht es um die Grundlagen des Risikomanagements und zwei typische Denkfehler: den Bestätigungsfehler (Confirmation Bias) und den Anker-Effekt (Anchoring Bias).

 

Risikomanagement und kognitive Verzerrungen

Risikomanagement bedeutet: Risiken erkennen, bewerten und steuern. Dazu gehören finanzielle, operative, strategische und externe Risiken (Probleme in der Lieferkette oder Schwankungen auf dem Markt).

Oft nutzen Unternehmen dafür Risiko-Dashboards, Szenarioanalysen oder Notfallpläne. Aber am Ende hängt alles von den Menschen ab, die diese Systeme anwenden und genau da kommen Denkfehler, sogenannte kognitive Verzerrungen oder Heuristiken, ins Spiel.

Kognitive Verzerrungen oder Heuristiken sind typische Fehler, die unser Denken verfälschen. Sie entstehen, weil unser Gehirn Informationen vereinfacht, besonders in stressigen oder komplexen Situationen. Das kann dazu führen, dass Risiken falsch eingeschätzt oder übersehen werden.

  • Bestätigungsfehler (Confirmation Bias)

Dieser Denkfehler bedeutet: Wir suchen und glauben vor allem an Informationen, die unsere eigene Meinung bestätigen. Widersprüchliche Hinweise werden oft ignoriert.

Beispielsweise vertraut eine Führungskraft einem Lieferanten blind und übersieht dabei Anzeichen wie verspätete Lieferungen oder Qualitätsprobleme.

  • Anker-Effekt (Anchoring Bias)

Beim Anker-Effekt lassen wir uns zu stark von einer ersten Zahl oder Information beeinflussen – auch wenn diese gar nicht mehr aktuell ist.

So können Budgetplanungen sich oft an alten Kostenprognosen orientieren. Wenn sich beispielsweise Rohstoffpreise zwischenzeitlich verändert haben, werden die Kosten falsch eingeschätzt oder Projekte verzögern sich.

 

Strategien gegen Denkfehler

Damit Denkfehler das Risikomanagement nicht sabotieren, können Unternehmen einiges tun:

  • Vielfältige Teams: Unterschiedliche Sichtweisen helfen, einseitiges Denken zu vermeiden
  • Strukturierte Entscheidungsprozesse: Mit Checklisten oder Entscheidungsmatrizen
  • Externe Meinungen: Unabhängige Berater oder Audits einbeziehen
  • Trainings: Regelmässige Schulungen zu Denkfehlern für Führungskräfte und Mitarbeitende.
  • Bias-Checks: in Risikoanalysen bewusst eine Gegenperspektive einbauen, um den Bestätigungsfehler zu vermeiden.

 

Fazit

Denkfehler wie der Bestätigungsfehler oder der Anker-Effekt können Unternehmen ernsthaft schaden, wenn sie nicht erkannt werden. Wer sich dieser Verzerrungen bewusst ist und aktiv dagegen vorgeht, kann bessere Entscheidungen treffen und das Unternehmen widerstandsfähiger machen.

Mit klaren Prozessen, vielfältigen Teams und gezielten Schulungen können Führungskräfte sicherstellen, dass Risiken nicht übersehen werden.

In einer unsicheren Welt ist der bewusste Umgang mit Denkfehlern ein entscheidender Erfolgsfaktor für nachhaltiges Risikomanagement.

Über die Autorin: Anja Thaler ist Mitglied der Geschäftsleitung der Sportgastro AG in Bern und Dozentin mit Schwerpunkt Führung, Management und Organisationsentwicklung. Mit einem MBA in angewandter Wirtschaftspsychologie und einem Executive MBA in strategischem Management verbindet sie fundiertes Fachwissen mit langjähriger Praxis in Hotellerie und Gastronomie. Aktuell promoviert sie im Bereich Wirtschaftspsychologie mit Fokus auf Resilienz in Unternehmen.

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